Das ewige Leuchten
"Man muss im Leben nichts fürchten, man muss nur alles verstehen."
Sie entdeckte zwei Elemente, Polonium und Radium, und leistete Pionierarbeit bei der Erforschung der Radioaktivität, was die Physik und Medizin für immer veränderte.
In dem kalten, feuchten Schuppen in der Rue Lhomond stand Maria Skłodowska-Curie vor einem brodelnden Kessel mit Pechblende. Die Luft war dick von Staub und dem stechenden Geruch industrieller Chemikalien – weit entfernt von den makellosen Laboratorien, die man sich heute vorstellen mag. Ihre Hände, einst zart, waren nun von Säuren und schwerer Arbeit vernarbt und geschwärzt. Doch wenn die Pariser Sonne am Horizont versank, kehrten sie und ihr Mann Pierre oft in dieses behelfsmäßige Heiligtum zurück, nur um zuzusehen. In der Dunkelheit verströmten die Fläschchen mit Radiumsalzen ein sanftes, unirdisches blaues Leuchten – eine „Radioaktivität“, die mit dem Atem des Universums zu pulsieren schien. Für Marie war es wunderschön. Sie ahnte nicht, dass sie in ihren eigenen Tod blickte.
Marie Curie war eine Frau der „Ersten Male“. Die erste Frau, die einen Nobelpreis erhielt, die erste Person, die zwei gewann, und die einzige Person, die sie in zwei verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen erhielt. Sie war eine Pionierin, die die Mauern einer männerdominierten Akademie allein durch die Kraft ihres Intellekts und einen eisernen Willen durchbrach. Doch ihre Brillanz brachte einen Schatten mit sich. Radium, das Element, das sie der Welt für die Behandlung von Krebs und die Erforschung des Atoms geschenkt hatte, demontierte sie langsam von innen heraus. Sie trug Reagenzgläser mit radioaktivem Material in ihren Laborkitteltaschen und hielt ein Fläschchen wie ein Nachtlicht an ihrem Bett.
Während des Ersten Weltkriegs steuerte sie persönlich „Petites Curies“ – mobile Röntgeneinheiten – an die Frontlinien und setzte sich noch mehr Strahlung aus, um das Leben von Soldaten zu retten. Sie gab Frankreich alles, einem Land, das sie oft als Außenseiterin behandelt hatte. Ihre Hingabe war total, ihr Fokus absolut. Doch mit den Jahren setzte die Erschöpfung ein. Das „Radiumfieber“ war keine Leidenschaft, sondern ein körperlicher Verfall. Ihre Augen trübten sich durch Katarakte, und ihr Blut begann zu versagen.
Auf ihrem Sterbebett im Jahr 1934, leidend an aplastischer Anämie, sprach Marie Curie weder von ihren zwei Nobelpreisen noch von ihrem Ruhm. Sie sprach von der Arbeit. Ihr Bedauern galt nicht der Wissenschaft selbst – sie glaubte fest daran, dass man „nichts im Leben fürchten muss, sondern nur alles verstehen“. Vielmehr war ihr Bedauern das Schweigen der Elemente. Sie hatte ein Leben lang auf den Herzschlag des Atoms geluscht, aber die Warnungen ihres eigenen Körpers vernachlässigt, bis es zu spät war. Sie hinterließ Notizbücher, die noch heute zu radioaktiv sind, um sie zu berühren, aufbewahrt in bleigefütterten Kisten – ein buchstäbliches, leuchtendes Testament einer Frau, die ihr Leben opferte, um die Geheimnisse des Lichts in die Welt zu bringen.
Die in Warschau geborene Maria Skłodowska-Curie (1867–1934) war eine Physikerin und Chemikerin, die Pionierforschung auf dem Gebiet der Radioaktivität betrieb.
In Warschau, Polen geboren.
Entdeckt Polonium und Radium mit Pierre Curie.
Erste Frau, die den Nobelpreis erhält.
Erhält den Nobelpreis für Chemie.
Stirbt an einer strahlungsbedingten Krankheit.
Entdeckung von Polonium & Radium: Identifizierung zweier neuer chemischer Elemente.
Mobile Röntgeneinheiten: Entwicklung der 'Petites Curies' für die Feldmedizin während des Ersten Weltkriegs.
Nobelpreis für Physik (1903): Für die Erforschung von Strahlungsphänomenen.
Nobelpreis für Chemie (1911): Für die Entdeckung der Elemente Radium und Polonium.
Sie bleibt die berühmteste Wissenschaftlerin der Geschichte, ein Symbol für Ausdauer und die Schutzpatronin der Strahlentherapie.
Starb am 4. Juli 1934 an aplastischer Anämie, die durch langjährige Strahlenexposition verursacht wurde.
Flüstern durch die Zeit