Der Geist der Glasglocke
"Ich atmete tief ein und hörte das alte Prahlen meines Herzens: Ich bin, ich bin, ich bin."
Eine der dynamischsten und bewundertsten Dichterinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre 'Bekenntnislyrik' formte die literarische Landschaft neu.
In den kalten, grauen Morgenstunden einer Londoner Wohnung stand eine Frau mit einem Intellekt, der wie ein weißglühender Stern brannte, vor ihrer Schreibmaschine. Sylvia Plath schrieb nicht nur Gedichte; sie vollzog Zeremonien der Seele. Ihre Worte waren so scharf wie chirurgische Skalpelle, entworfen, um die höfliche Fassade der Weiblichkeit der 1950er Jahre zu durchtrennen und die rohe, pulsierende Maschinerie von Wahnsinn, Liebe und Isolation zu enthüllen. Sie war eine Dichterin des inneren Sturms, gefangen unter dem erstickenden Glas der „Glasglocke“.
Sylvia lebte in einem Zustand qualvoller Entscheidungen. In ihrem halb-autobiografischen Roman stellte sie sich ihr Leben als einen verzweigten Feigenbaum vor, wo jeder Ast eine andere Zukunft repräsentierte: ein glückliches Heim, eine brillante akademische Karriere, eine weltberühmte Dichterin. Sie saß in der Astgabel und verhungerte, weil sie sich nicht entscheiden konnte, welche der Feigen sie wählen sollte. Alle zu wollen bedeutete, alle anderen zu verlieren.
Ihre Poesie, besonders die Werke in *Ariel*, war ein Tanz mit der Dunkelheit. Sie schrieb von „Lady Lazarus“, die mit erschreckender Häufigkeit starb und wiederauferstand. Sie verwandelte ihr häusliches Leben in eine gotische Bühne, auf der der Kampf um das Selbst in hochauflösenden Metaphern ausgetragen wurde.
Der Winter 1963 war einer der kältesten in der Geschichte Londons. Getrennt von Ted Hughes und mit zwei kleinen Kindern, fühlte Sylvia die Kälte bis in ihre Knochen. Die Worte waren noch da – brillant und endgültig – aber die Glasglocke hatte den Boden berührt. Sie hinterließ ein Vermächtnis von Gedichten, die vor Leben vibrieren.
Sylvia Plath (1932–1963) war eine amerikanische Dichterin und Romanautorin, bekannt für ihre Bekenntnislyrik.
Geboren in Boston.
Beginnt Studium mit Stipendium.
Heiratet Ted Hughes.
Schreibt die Gedichte für *Ariel*.
Stirbt in London.
Die Glasglocke: Ihr halb-autobiografischer Roman über psychische Erkrankungen.
Ariel: Die posthume Gedichtsammlung, die ihren Status festigte.
Der Koloss: Ihre erste Gedichtsammlung.
Pulitzer-Preis (1982): Posthum verliehen für *The Collected Poems*.
Anerkennung: Eine der bedeutendsten literarischen Figuren.
Sie definierte die Grenzen der Poesie neu und brachte intimste Erfahrungen ans Licht.
Starb am 11. Februar 1963 in London durch Suizid.
Flüstern durch die Zeit