Der Architekt des Eisernen Vorhangs
"Dieses Wesen hat mein Herz aus Stein erweicht. Sie starb und mit ihr starben meine letzten warmen Gefühle für die Menschheit."
Verwandelte die Sowjetunion in eine Weltmacht durch ein System absoluter Kontrolle, was zu tiefgreifenden historischen Verschiebungen führte.
In der tiefen, schneebedeckten Stille von Kunzewo lag ein Mann, der einst mit einem einzigen Federstrich die Weltkarte neu gezeichnet hatte, auf einem kalten Boden und starrte an eine Decke, die er nicht mehr erkannte. Josef Stalin, der „Mann aus Stahl“, starb in der tiefsten Einsamkeit, die man sich vorstellen kann – einer Einsamkeit, die nicht aus der Entfernung, sondern aus seinem eigenen, sorgfältigen Entwurf resultierte. Der Architekt des Eisernen Vorhangs hatte schließlich eine Mauer errichtet, die niemand, nicht einmal seine treuesten Diener, zu überqueren wagte.
Bis zum März 1953 hatte Stalins Paranoia ihren Höhepunkt erreicht. Er lebte in einer Welt aus geisterhaften Feinden und vermeintlichem Verrat und umgab sich mit Leibwächtern, die mehr Angst vor seinem Zorn hatten als vor dem Tod selbst. Er hatte einen strengen, furchterregenden Befehl erlassen: Niemand durfte seine Privatgemächer ohne seine ausdrückliche Erlaubnis betreten, bei Todesstrafe. Es war ein Befehl, der seine Sicherheit vor Attentätern gewährleisten sollte, aber er wurde zum Instrument seines Untergangs. Als der Schlaganfall schließlich kam, war das darauffolgende Schweigen das Ergebnis eines Systems, in dem Initiative durch einen erdrückenden, gelähmten Terror ersetzt worden war.
Er lag stundenlang auf dem Teppich, bei Bewusstsein, aber unfähig, sich zu bewegen oder zu sprechen. Vor seiner Tür hörten die Wachen nichts, und weil sie nichts hörten, taten sie nichts. Vierzehn Stunden lang war der mächtigste Mann der Sowjetunion ein hilfloser Gefangener seines eigenen Rufes. Sein innerer Kreis, darunter Beria und Chruschtschow, traf schließlich ein, aber selbst sie zögerten. Sie blickten auf den gefallenen Riesen und sahen nicht einen Mann, der Hilfe brauchte, sondern eine gefährliche Kraft, die immer noch aufwachen und sie dafür bestrafen konnte, dass sie ihn in seiner Schwäche sahen.
Stalins letzter Kampf dauerte vier Tage. In seinen seltenen Momenten des Bewusstseins sollen seine Augen von einem schrecklichen, wortlosen Zorn erfüllt gewesen sein – oder vielleicht von einer plötzlichen und verheerenden Erkenntnis. Sein Bedauern galt nicht den Millionen verlorener Leben oder den Nationen, die unter seinem Stiefel zermalmt wurden; es war die dämmernde Wahrheit, dass er in seinem Streben nach absoluter Sicherheit die bloße Möglichkeit menschlicher Verbindung ausgeschaltet hatte. Er hatte sein Leben damit verbracht, sich selbst zu einem Gott zu machen, den man fürchten musste, nur um in seiner letzten Stunde zu erkennen, dass ein Gott keine Freunde hat, sondern nur Untergebene, die auf seinen Tod warten, damit sie endlich aufatmen können. Er starb nicht als Held, sondern als Geist, der das Imperium heimsucht, das er auf einem Fundament des Schweigens errichtet hatte.
Josef Stalin (1878–1953) führte die Sowjetunion von Mitte der 1920er Jahre bis zu seinem Tod. Er leitete die Industrialisierung der UdSSR und führte das Land durch den Sieg im Zweiten Weltkrieg.
In Gori, Georgien geboren.
Wird Generalsekretär der Kommunistischen Partei.
Führt die UdSSR gegen die Nazi-Invasion.
Beeinflusst die Teilung Europas.
Stirbt einsam in seiner Datscha.
Fünfjahrespläne: Aggressive Bemühungen zur Industrialisierung und Kollektivierung.
Sieg im Zweiten Weltkrieg: Führte die Rote Armee bis zur Einnahme von Berlin.
Held der Sowjetunion: Der höchste Ehrentitel der UdSSR.
Sieg-Orden: Verliehen für erfolgreiche Operationen an der Front.
Stalin bleibt als Führer in Erinnerung, der eine Nation modernisierte, sowie als Diktator, dessen Politik unermessliches menschliches Leid verursachte.
Starb am 5. März 1953 an einer Hirnblutung. Sein Tod löste einen globalen Wandel im Kalten Krieg aus.
Flüstern durch die Zeit